Interview mit dem WWF

WWF Night 21.06.2017 Kalkscheune Berlin

Liebe Frau Junkersdorf,

vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein kleines Interview nehmen! Wir dürfen Sie ja nun schon seit ein paar Jahren regelmäßig mit der WWF Night bei uns begrüßen, und jedes Mal ist es eine wunderbare Veranstaltung, die aufgrund der beeindruckenden Projekte des WWF hoffen lässt, dass die Welt vielleicht doch noch nicht so bald untergeht. Warum ist gerade die Kalkscheune für die WWF Night der richtige Ort?

Die Kalkscheune ist ein besonderer Veranstaltungsort: hier können wir sicher sein, dass Umweltschutz nicht nur uns, sondern auch dem Team der Kalkscheune am Herzen liegt. Viele Veranstalter haben inzwischen Nachhaltigkeitskonzepte, aber wohl nur bei wenigen schlägt das Herz auch so überzeugt für die Umwelt wie in der Kalkscheune. Außerdem ist es fantastisch, wenn man bei der Organisation einer Veranstaltung das Gefühl hat, dass das Gelingen allen anderen Beteiligten ebenso wichtig ist wie einem selbst.

Als wichtiger Punkt der diesjährigen WWF Night stand die Petition für den Artenschutz im Selous Schutzgebiet. Selbst in einem geschützten Gebiet, welches als Weltnaturerbe gilt, gibt es nach wie vor Wilderei. Wie wollen Sie genau vorgehen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen, und diese zu stoppen?

Wilderei ist inzwischen nicht mehr nur eine überaus ernste Bedrohung für verschiedene Wildarten wie Elefanten und Nashörner. Der illegale Handel mit Wildtieren ist nach Drogenhandel, Produktpiraterie und Menschenhandel das viertgrößte Verbrechen weltweit. Der WWF kämpft für Schutzgebiete, für den effektiven Schutz derTiere in den Schutzgebieten durch Ranger und er setzt sich dafür ein, dass die Menschen sich der Tragweite des Problems und ihres eigenen Handelns bewusst werden. Dabei geht es einerseits um das Wissen vor Ort, dass die Wildtiere eine Attraktion für TouristInnen sind und daher der Schutz der Wildtiere langfristig eine bessere Einnahmequelle sein kann als der kurzfristige Profit aus der Wilderei. Und andererseits geht es darum aufzuklären, dass Wildtierprodukte weder als Heilmittel noch als Mitbringsel oder Statussymbole taugen. Dies betrifft besonders TouristInnen und die Menschen in den überwiegend asiatischen Nachfrageländern. Wilderei ist ein internationales Problem, das der WWF als internationale Organisation besonders gut bearbeiten kann. Wer sich über unsere Anti-Wilderei-Arbeit informieren oder wissen möchte, wie man uns dabei unterstützen kann, kann sich hier informieren: www.wwf.de/themen-projekte/weitere-artenschutzthemen/wilderei/

Als bekanntes Gesicht führte Dirk Steffens durch den Abend, der mit seiner Living Planet Tour regelmäßig auf den Bühnen Deutschlands den umwelttechnischen Status unseres Planet veranschaulicht. Zudem holten Sie sich für Ihre Arbeit Verstärkung von den zwei YouTuberinnen Kelly MissesVlog und Jodie Calussi, um auch die Jüngeren von der Wichtigkeit des Artenschutzes zu überzeugen. Wünschen Sie sich von der Jugend manchmal mehr Einsatz in Sachen Umwelt- schutz, oder haben da eher die älteren Semester Nachholbedarf?

Ich glaube, insgesamt verteilt es sich über alle Altersgruppen. Es gibt so viele unterschiedliche Arten, sich für die Umwelt zu engagieren, und alle sind wichtig! Die einen pflanzen einen Garten in der Stadt, manche arbeiten in ihrer Freizeit in Projekten und Verbänden mit, die anderen geben der Umwelt in Online-Aktionen eine Stimme oder spenden für den Umweltschutz weltweit. Natürlich ist uns die Jugendarbeit sehr wichtig. Beim WWF kann man sich schon ganz früh für die Natur begeistern und mitmachen: unsere Jüngsten sind die LiLu Pandas (bis 7 Jahre). Mit unseren Young Pandas gehen wir u.a. auf Camp-Touren und WWF-Jugend (ab 13 Jahre) hat eine eigene Online-Community (www.wwf-jugend.de) und wird auch in unsere aktuelle Arbeit eingebunden, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Es gibt in jeder Altersgruppe wunderbare Menschen, die die Umwelt schützen wollen, alle auf die Weise, die am besten zu ihnen passt.

Am 30.Mai 2017 hatten wir den Zukunftsdialog Agrar & Ernährung bei uns zu Gast. Dort wurde unter anderem mit Vertretern von Greenpeace die gegenwärtige und zukünftige Situation der Landwirtschaft diskutiert. Abgesehen von Politik und Wirtschaft, wie viel Verantwortung trägt der Konsument? Auf was sollte man als Verbraucher unbedingt achten, damit Natur, Tier, aber auch der Landwirt nicht ausgebeutet wird?

VerbraucherInnen haben Verantwortung! Bei jedem Einkauf entscheiden wir ein bisschen mit über Produktionsformen und Transportwege, über Tierhaltung und Bodennutzung und auch über Artenvielfalt. Der WWF gibt immer wieder Tipps, wie VerbraucherInnen klug einkaufen und damit auch Rücksicht auf die Umwelt nehmen können. Einfach mal reinschauen in unsere Einkaufsratgeber zu Fisch (www.wwf.de/aktiv-werden/tipps-fuer-den-alltag/vernuenftig-einkaufen/einkaufsratgeber-fisch/einkaufsratgeber-fisch/) oder Fleisch und Wurst (www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Einkaufsratgeber_Fleisch_und_Wurst.pdf).

Richard David Precht sprach bei uns auf dem Zukunftsdialog davon, dass sich der Mensch womöglich in naher Zukunft nur noch von Fleischersatz-Produkten ernähren wird. Wie sehen Sie die Entwicklung von Vegetarismus und Veganismus?

Viele werden sich an die Forderung nach einem Veggie-Day in deutschen Kantinen erinnern – und an den Aufschrei, der darauf folgte. Gleichzeitig gibt es in Berlin Gegenden, in denen kaum noch Fleisch in den Restaurants angeboten wird. Der WWF rät, weniger und bewusster Fleisch zu essen. Den Entschluss, vegetarisch oder vegan zu leben, müssen die Menschen individuell für sich treffen. Der WWF empfiehlt, in der Woche nicht mehr als 300 g Fleisch zu essen und auf Bio-Ware zu achten. Es wäre global gesehen schon viel gewonnen, wenn die Menschen in den Industrieländern ihren Fleischkonsum entsprechend einschränken würden – oder natürlich ganz auf Fleisch verzichten, wenn sie das möchten. Der WWF hat einige Studien zu den Folgen des derzeitigen Fleischkonsums herausgegeben, s. www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/fleischgenuss-mit-folgen-wie-isst-man-besser/. Da findet sich ganz sicherlich die eine oder andere Entscheidungshilfe zur Frage „Fleisch: ja oder nein?“

Um auf die regionale Vielfalt in Sachen Nahrungsmittel hinzuweisen, reist diesen Sommer der WWF Foodtruck durch Deutschland, um mit Hilfe von Spitzenköchen tolle regionale Gerichte, Projekte und Mitmach-Aktionen anzubieten, die den Leuten zeigen sollen, was ihre Region eigentlich zu bieten hat. Wie wird die Aktion angenommen? Sind die Leute offen für regionale und ursprüngliche Lebensmittel? 

Im Rahmen des Foodtrucks informiert der WWF darüber, was eine gute Ernährung ausmacht und welche Auswirkungen unsere Ernährungsweise auf die Umwelt hat. Unsere BesucherInnen können erfahren, wie sie die Verschwendung von Lebensmitteln vermeiden können, und natürlich gibt es auch leckere Sachen zu essen. Und obwohl das Wetter nicht immer mitspielt, nehmen doch viele Menschen unsere Angebote gern an und kommen mit uns ins Gespräch. Die Landwirtschaft muss sich dringend verändern, damit einerseits ausreichend Nahrungsmittel hergestellt werden und zu den VerbraucherInnen gelangen, und zum anderen der Umweltschutz angemessen berücksichtigt wird. Das Bienensterben ist ein sehr anschauliches Beispiel dafür, dass Landwirtschaft ohne Rücksicht auf die Umwelt nicht funktionieren kann.

Nebst all der großartigen laufenden Projekte, was ist für die kommende Zeit geplant? Handlungsbedarf ist ja an allen Ecken und Ende, wo wird als nächstes angesetzt?

Da ich im Politikbereich arbeite, steht bei uns in diesem Herbst vor allem das Thema Bundestagswahlen auf dem Plan. Viele neue Abgeordnete werden in den Bundestag einziehen, die vielleicht mit der Arbeit des WWF noch nicht so vertraut sind. Das wollen wir ändern, um die wichtigen Umweltthemen wie den Kohleausstieg und die notwendigen Veränderungen in der Landwirtschaft weiter erfolgreich politisch zu begleiten. Wer sich darüber informieren möchte, wie die Parteien zum Umweltschutz stehen, kann gern einmal reinschauen: wir haben die Aussagen der Parteien in ihren Wahlprogrammen mit den Forderungen des WWF verglichen, das Ergebnis findet sich hier: www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Abgleich-Wahlprogramme_Parteien-vs.-WWF-Kernforderungen.pdf

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