Ab auf die Matte!

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Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Von der Matte ins Leben“, die über ein paar Monate hinweg das Thema „Yoga“ aus allen möglichen Perspektiven beleuchtet, haben wir mal zwei Profis zu Rate gezogen, und die Damen zum Thema „Yoga“ ordentlich ausgequetscht.

Ute Löffelsend und Dörte Völzmann von Ashtanga Yoga Friedrichshain standen uns Rede und Antwort, um uns zu erzählen, warum Yoga inzwischen in aller Munde ist, und warum Yoga die Welt ein wenig besser machen kann. Wir waren sehr neugierig und wollten ne ganze Menge wissen, hier gibt’s das Interview:

Wie hat alles angefangen? Wo, wann und warum haben Sie das erste mal Yoga gemacht?

Ute Löffelsend: Es fing schon in Indien an, als ich all die Menschen sah, die dort Yoga übten. Ich dachte: Yoga wird bald auch zu mir kommen. Mal sehen, wann und wie? Und dann – einige Zeit später in Berlin – erzählte mir jemand von Ashtanga Yoga. Ich wußte sofort, dass dies „mein“ Yoga ist. Ich habe mir von ihr eine Adresse geben lassen und fortan Yoga geübt. Meine erste Stunde war also eine Mysore Style Stunde (Dabei spricht man vom Einzelunterricht in der Gruppe; geübt wird eigenständig mit individueller Anleitung und Hilfestellung).
Dörte Völzmann: Bei mir war es in Hamburg vor 10 Jahren, ich wollte etwas für mich tun und brauchte einen Ausgleich zum Bürojob und eine Freundin schlug mir vor, doch mal Yoga auszuprobieren.

Warum sind Sie dabei geblieben und haben entschieden, das auch beruflich zu machen?

Ute Löffelsend: Viele Jahre lang habe ich Yoga geübt, die Zeit auf der Matte war die Zeit für mich. Meine Zeit; neben den anfangs kleinen Kindern, die ich allein erziehe, und dem Beruf. Es hat mir sehr gut getan; mich zum Einen körperlich gefordert und trainiert und zum Anderen meine Entwicklung insgesamt befördert. Ich habe durch Yoga ein zunehmend bewussteres Leben geführt. Mehr und mehr erfahren, was für mich gut und wichtig ist und so weniger Förderliches nach und nach weggelassen. So ist es eine logische Konsequenz, dass ich immer tiefer eingestiegen bin und den Yoga letztendlich auch anderen vermitteln möchte. Dies ist eine große Aufgabe, an der ich ebenso wachsen möchte.
Dörte Völzmann: Ich habe verschiedene Yogastile ausprobiert: Kundalini Yoga, Vini Yoga und Vinyasa Flow. In dieser Zeit konnte ich viel über mich lernen, was mir gut tut und was nicht. Ashtanga Yoga ist der Yogastil, bei dem ich bleibe, mit dem ich gelernt habe, meinen Geist auszurichten,  meinen Körper und meine Gedanken und Gefühle  zu erfahren und  wahrzunehmen. Für mein erstes Yoga Teacher Training  war ich Indien, um tiefer in den Yogakosmos einzutauchen. Während der Ausbildung wurde mir klar, dass  ich das Gelernte nicht nur weitergeben möchte, sondern, dass ich es kann. Es bringt mir wirklich Erfüllung, andere auf ihrem Yogaweg zu begleiten, mit ihnen und von ihnen zu lernen. Die Beziehung von Yogalehrenden und Yogalernenden ist aus meiner Sicht eine besondere und ich bin dankbar für jede Lehrerin und jeden Lehrer in meinem Leben.

Warum sollte jeder Mensch Yoga machen? Macht es die Welt ein wenig besser? Wozu ist es gut?

Ute Löffelsend: Ja! ;-) Es macht die Welt ein wenig besser. Im Yoga geht es darum in den Fluß des Lebens einzusteigen ohne sich im stetigen Auf und Ab von Gedanken und Emotionen zu verlieren. Es geht um einen Zugewinn an Zufriedenheit, darum einen nachhaltigen Weg für das eigene Wohlbefinden zu finden. Dies geschieht durch die Übung auf der Matte, die die Konzentration fördert und den Körper geschmeidig und kräftig macht bzw. erhält. In der Meditation wird das Üben der Konzentration noch bewusster praktiziert. Ausbalancierte Menschen verursachen weniger Schwierigkeiten. Jeder sollte Yoga üben. Yoga ist allerdings kein niedrigschwelliges Angebot und erreicht daher nur bestimmte Menschen. Hieran gilt es zu arbeiten.
Dörte Völzmann: Ja unbedingt, da gibt es so viele Aspekte. Yoga ist  Selbsterfahrung. Was du auf der Matte lernst und erlebst, kannst du mit in den Alltag nehmen, bspw. dass nicht jeder Tag gleich ist und Gewalt meistens weh tut und nicht hilft. Mir vorzustellen,  wie ich selbst behandelt werden möchte und so auch zu agieren, ist gut für mein Umfeld und mich. Yoga zu üben, sich zu konzentrieren und reflektieren hilft dabei. Und nicht zu vergessen, Ashtanga Yoga bietet natürlich auch einen körperlichen Aspekt: regelmäßige Bewegung tut dem körperlichen Wohlbefinden gut und fördert die Gesundheit. Alle körperlichen Strukturen wie Muskeln, Sehnen, Knochen Gelenke funktionieren viel besser, wenn sie benutzt werden.

Wie finden Sie es, dass Yoga manchmal mit Esoterik in einen Topf geschmissen wird?

Ute Löffelsend: Es gibt viele Yogastile, und manche sind eher esoterisch angehaucht. Es hängt auch vom Lehrenden ab. Für mich geht es im Yoga um das Verfolgen recht handfester Vorschläge für den Alltag des heutigen Menschen, der im Leben steht, und nicht um ein Aufschwingen in „andere Sphären“.
Yoga ist das Leben nach bestimmten Tugenden, das Praktizieren von Asana, also Körperübungen, von Pranayma, d.h. üben von Atemtechniken, üben von Konzentration und Sinnenskontrolle, um in der Stille letztendlich seinen wahren Wesenskern zu erkennen.
Dörte Völzmann: Es gibt viele Wege, den Sinn in seinem Leben zu suchen und zu finden.  Der Begriff „Esoterik“ wird ja heute gebraucht im Zusammenhang mit dem Erreichen einer „höheren“ Erkenntnis und den Wegen, die zu dieser führen sollen.  Ich würde mich nur abgrenzen gegen jene, die die Verantwortung jedes einzelnen Menschen für seine Handlungen und für sein Leben insgesamt negieren.
Auf dem Yoga-Weg hast du selbst dein Leben in der Hand. Jeder kann auf dem Stand, auf dem er körperlich, geistig und emotional ist, den Weg beschreiten. Mit Disziplin und Beständigkeit Asanas, Pranayama, Konzentration und Meditation üben.

Wie beurteilen Sie es, dass Yoga inzwischen mehr und mehr zum Hype wird? Es gibt schicke Klamotten, verschiedenste Varianten und und und… Bliebt da das wesentliche womöglich auf der Strecke, oder ist es gut, dass es in aller Munde ist?

Ute Löffelsend: Es ist gut, dass sich Yoga herumgesprochen hat und immer mehr Menschen es ausprobieren und auch für sich als Weg finden. Dass damit Geld verdient wird, bleibt dabei nicht aus und ist letztlich ja auch nicht verkehrt. Trotz modischer Yogahose kann man sich in die Stille versenken oder in die Körperhaltung hineinspüren, die man gerade eingenommen hat. Sie ist kein Hinderungsgrund, sollte aber eine Nebensache sein.
Dörte Völzmann: Ich finde es toll, dass Yoga mitten in der Gesellschaft angekommen ist. Ich bin ja davon überzeugt, dass es ein lohnender Weg ist. Und so vielfältig, wie die Menschen in unserem Land sind, sind auch die Ausrichtungen. Jeder wird seinen Yogalehrer, seine Yogalehrerin finden, ob nun mit oder ohne Designermatte. Es ist großartig, dass Yoga viele dazu bringt, etwas zu tun, sich zu bewegen und innezuhalten. Und natürlich wird mit Yoga Geld verdient, auch für uns ist das inzwischen unsere Berufung und unser Beruf.

Was ist das besondere an Ihrem Yoga-Studio? Worin unterscheidet es sich von anderen?

Ute Löffelsend: Wir unterrichten AshtangaVinyasa Yoga, d.h. einen fließenden Yogastil. Dies ist kein Alleinstellungsmerkmal, jedoch eine Besonderheit. Das Bemerkenswerte ist die Unterrichtsmethode des Ashtanga Yoga, der sogenannte Mysore Style – benannt nach der südindischen Stadt, aus der er stammt. Es handelt sich dabei sozusagen um Montessoriunterricht: Es ist ein individueller Unterricht in der Gruppe, der Einzelne übt sein Programm, das sich an den feststehenden Serien des Ashtanga Yoga orientiert und gemeinsam mit dem Lehrenden erarbeitet wurde. So ist eine maßgeschneiderte Praxis möglich. Die Lehrenden widmen sich den Teilnehmenden also einzeln während er praktiziert.
Dann wären da ja noch wir beide, mit unseren Persönlichkeiten und Erfahrungen, die wir in die Stunden einfließen lassen. Eine „zugewandte Strenge“ mit einer Portion Humor zeichnet unseren Stil aus.
Unsere Yogaschule ist offen für alle und es herrscht eine persönliche Atmosphäre.
Dörte Völzmann: Wir möchten unsere Schüler kennenlernen, wollen eine Beziehung aufbauen, um gemeinsam arbeiten zu können. Das unterscheidet uns sicherlich von großen Studios und Fitnessclubs, die ebenfalls Yogastunden anbieten.

Worauf sollte man achten, wenn man Anfänger ist, und nicht recht weiß wohin?

Ute Löffelsend: Man sollte sich überlegen, worauf es einem ankommt und dann ein paar Studios oder auch Yogalehrende ausprobieren. Es könnte einem beispielsweise wichtig sein, dass die Positionen lang gehalten werden, oder dass es eher ein fließender Stil ist. Manch eine/r fühlt sich im stylischen Ambiente wohl, ein/e andere/r eher in schlichter Atmosphäre. Im Fitnessstudio steht beispielsweise der körperliche Aspekt im Vordergrund während in machen Schulen auch der Yoga als Ganzes vermittelt wird. Yoga wird auch in Vereinen oder Volkshochschulen unterrichtet, was kostengünstiger ist als in einer Yogaschule. Auch sollte die Qualifikation des Lehrenden eine Rolle spielen und man sollte sich erkundigen nach seinen Erfahrungen und der Ausbildung. Letztendlich kommt es auf die Chemie zwischen Übenden und Lehrenden an: fühle ich mich wohl, fühle ich mich gesehen?
Dörte Völzmann: Zuallererst, den Schritt machen und in eine Yogaschule gehen. Anfangen zu üben und dabei auf sich achten und achtsam mit sich umgehen. Nicht links oder rechts auf die anderen Matten und Schüler schauen und sich entmutigen lassen.  Wie heißt es so schön bei Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Ashtanga Yoga Friedrichshain
Pettenkoferstraße 13
10247 Berlin-Friedrichshain
www.ashtanga-yoga-friedrichshain.de | info@ashtanga-yoga-friedrichshain.de

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