#inreach – Influencer Marketing

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Am 07. Dezember fand bei uns die #inreach statt, die erste Konferenz in Sachen Influencer Marketing. Zumindest was den deutschen Bereich angeht, war dies eine Premiere, denn hierzulande ist das Phänomen der sogenannten „Influencer“ noch nicht wirklich ergründet. Wir fragten uns auch: „Was ist das überhaupt?“. Wir haben mal nachgeforscht.

Offenbar ist es scheinbar so, dass Personen mit einem Alter über 25 sowieso schonmal irgendwie raus sind, denn Influencer, das sind Leute, die vor allem, ja im Grunde ausschließlich Teenies unterhalten. Wie sie das machen? Ganz einfach: Sie stellen in ihrem Kinderzimmer Muttis Kamera auf, setzen sich auf die geschmacksneutrale Jugendzimmercouch und fangen an, erst über ihren mäßig spannenden Alltag zu sprechen, um nach unendlichen Minuten zum eigentlich Kern dieser Veranstaltung kommen.
„Hallo Leute“, das ist zumeist das Startsignal, mit dem die Youtuberin Elli (Name d. Red. geändert) ihre Videobeiträge beginnt. Elli hat 7340 Youtube-Abonnenten oder auch „Follower“, die sofort bescheid bekommen, sobald Elli mal wieder ein Video hochgeladen hat, indem sie etwas hilflos über ihre Haare oder ihre neuste Klamotte berichtet. Warum Kids sich das anschauen? Niemand weiß es. Offenbar ist aufgrund der Herrschaft der Internetunterhaltung, ausgelöst vom digital age, jedes Mittel recht, um sich irgendwie zu zerstreuen. Raus gehen, Fußballspielen, Fehlanzeige. Stattdessen wird sich stundenlang vor den Laptop geklemmt, um Teenagern bei inszenierter Selbstdarstellung inklusive erheblichem Aufmerksamkeitswunsch zuzuschauen, die dann erzählen, wie man sich einen Dutt bindet, oder die Nägel lackiert. Inzwischen findet man für jedes auch nur klitzekleine Problemchen ein Tutorial, bei dem irgendjemand aus seinem Badezimmer oder seiner Küche heraus Hilfe anbietet.

Erste Frage an dieser Stelle: Geht womöglich das gesamte Kreativitätspotenzial der Jugend flöten, da sie sich jederzeit an jedem Ort von fremden Menschen erklären lassen können, was man machen soll, und wie man es machen soll?

Da kommen wir schon gleich zum nächsten Thema: Werbung.
Die #inreach machte genau diesen Punkt zum Hauptthema, denn da wo Klicks generiert werden, und Menschen in Mengen täglich durch Videos etc. angesprochen werden können, sollte Werbung nicht fehlen. Tata!
Und natürlich wollen die Kids für ihr Gestammel auch ein paar Groschen haben… Traumberuf der Zukunft: Youtuber…
Zweite Frage: Ist ‚Youtuber‘ denn überhaupt ein richtiger Beruf? Kann es ein richtiger Beruf sein, wenn man sich vor eine Kamera setzt und versucht, einer nicht greifbaren Gemeinde Tips zum Thema Deodorant oder Makeup-Entferner zu geben, nachdem man ausschweifend über seinen Alltag und seine immer wiederkehrende Müdigkeit philosophiert hat?
Elli würde an dieser Stelle womöglich sagen: Jap, issen Beruf…
Kein Wunder, denn für ihren Youtube-Kanal hält sie regelmäßig Produkte jeglicher Art in die Kamera und sagt den glotzenden Kids so, was sie kaufen sollen, nachdem vor den Clips zusätzlich Werbefilme namhafter Firmen laufen.
Auf die Frage, ob es denn ein Werbekanal sei, sagt sie dennoch rigoros: auf gar keinen Fall… soso. Denn das, was die Youtuber sich grundsätzlich groß auf die Fahnen schreiben ist Authentizität… Zumindest ist dies die Zutat, die den großen Erfolg erklären soll. Dass diese Authentizität oftmals schon lange nicht mehr mit an Bord ist, sondern durch Werbepartner, Kohle und vor allem einem Höchstmaß an Eitelkeit ausgetauscht wurde, bemerken viele Kids allerdings nicht, denn das Vorbild, der Guru ist „real“ und erzählt keinen Scheiß, is ja klar. Dass die großen Helden allerdings sogar eigene Produkte und Produktlinien auf den Markt bringen, die durch die Videos vermarktet werden, wird den Teenies offensichtlich nicht so recht bewusst.
Es ist längst bekannt, dass hinter den Youtubern ab einer gewissen Reichweite ein Management steht, welches dafür sorgt, dass die Influencer Kollaborationen mit Produktherstellern, Werbedeals und sonstige PR erhalten.
Soweit so gut. Das wäre ja an sich auch keine große Sache, denn Werbefiguren gibt es nicht erst seit gestern, die Verschleierungstaktik ist hierbei allerdings das Problem. Denn nicht ohne Grund gibt es nach § 4 Nr. 3 das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, auch bekannt als Schleichwerbung. Man kennt die Problematik aus dem Fernsehen, wo es immer wieder zu Fällen von Schleichwerbung in großen Abendsendungen kommt. Hier wird hart durchgegriffen, und die Fernsehformate müssen mit Strafen und Deklarationsauflagen rechnen, da sie den Zuschauer laut Gesetz in die Irre führen.

Was die Influencer und ihre Videokanäle betrifft, so ist der Punkt der Werbung bzw. Schleichwerbung noch immer Grauzone. Hierfür gibt es noch keine Gesetze und Reglements, die allerdings zwingend notwendig sind, um vor allem die Jugend vor falschem Umgang mit Konsum zu schützen.
Auch diese Thematik war Diskussionspunkt auf der #inreach und wurde von Juristen besprochen.

Wohin dieses Phänomen letztlich führen wird, wird sich zeigen. Eine bald platzende Blase, auf die die Oldies hoffen, weil ihnen ihre Kinder ein Rätsel sind, ist der Hype um die Youtuber aber scheinbar schon lange nicht mehr.

 

Mehr Infos zu dem Thema auf www.inreach.de

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