Ich grüße alle, die mich kennen! Datenschutzkonferenz/Bitkom

privacy conference Kopie

Am 24. September fand bei uns Die Internationale Datenschutzkonferenz der Bitkom statt.
Facebook, google, BMW, Lufthansa, die Deutsche Post waren nebst vieler anderer Teilnehmer als Speaker tätig. Die Themengebiete waren breit gefächert und bezogen sich auf etliche verschiedenen Perspektiven, die bei einer solch komplexen Materie, wie der des Datenschutzes, entstehen.
Der richtige Umgang mit den eigenen persönlichen Angaben wurde ebenso skizziert, wie der Wert bzw. Profit von gesammelten Daten. Tools zur Datensicherung, das frisch verabschiedete IT-Sicherheitsgesetz und die Nutzung von Cloudsystemen standen ebenfalls auf der Agenda. Man merkt, hier wurde richtig in die Vollen gegangen.

Was bleibt ist die Frage: Wie viele Daten möchte ich preisgeben, wie kann ich mich wirklich vor Missbrauch schützen, und kann ich auch einen Nutzen daraus ziehen, dass ich als Internetuser erfasst und analysiert werde?

Das bin ich mit meinem Mittagessen…

Wenn man von Datensicherheit, Datenschutz oder Privatsphäre im Netz hört, ist beinahe jeder erstmal bemüht, nur das preiszugeben, was gefordert wird. Dennoch scheint vielen nicht bewusst zu sein, dass jegliche Aktivität, die wir online tun, irgendwo registriert wird. Wie oft schon war facebook in der Kritik, weil ihre Datenschutzbestimmungen schwamming oder gar äußerst grenzwertig festgelegt sind. Dann schwappt wieder für ein paar Wochen die Welle der Empörung über, und es werden mit Boykottdrohnungen die Timelines vollgestopft. Man findet facebook dann wieder einmal ganz furchtbar und möchte damit eigentlich gar nichts mehr zu tun haben.
Aber, da es ja nun mal alle machen, postet man kurz drauf doch wieder fröhlich jeden Grashalm auf dem man kaut, jeden Kaffee, den man trinkt und die großen Zehen, die vor irgendeinem Pool rumliegen. Die Telefonnummer und persönliche Anschrift aktualisiert man auch noch schnell, bevor man der ganzen Welt mitteilt, mit wem man liiert ist.

Wir sind also nicht ganz so bescheiden, mit unseren Daten, wie wir es eigentlich gerne wären. Selbst jeder Online-Kauf, den wir tätigen, sogar jedes Stöbern, wird registriert und analysiert, und man wundert sich, dass man beim Besuch einer Social Media Plattform plötzlich Angebotswerbung zu eben jenem Schlüpper bekommt, den man kurz zuvor noch im Onlineshop angesehen hat. Das ist gruselig, in der Tat.

Der Sinn und Zweck in diesen Angebotsquerverweisen liegt allerdings nicht nur auf der Firmenseite, sondern soll auch dem Kunden dienen, die Angebotsfülle, der er niemals Herr werden kann, zu selektieren. Je mehr das Internet mein Surf-Verhalten scannt, umso effizienter und zeitsparender kann ich mich darin bewegen. Die Frage, die allerdings bleibt, ist: Möchte ich das? Und genau hier liegt das Problem, denn hierbei habe ich keine Handhabe. Denn selbst wenn man nicht sein Mittagessen postet, und seine Urlaubsfotos mit jedermann teilt, gibt es eben zu viele Methoden, wie uns unsere Daten weggeschnappt werden, und zwar OHNE es zu merken. Da ist der Knackpunkt, denn Selbstbestimmung sollte auch im Internet ein Muss sein. Doch da viele Prozesse und Systeme für den Normal-User nicht greifbar sind, fehlt es an Verständnis und Aufklärung, und somit ist es ein Leichtes für die Datendiebe ihr Werk zu tun.
Und das, obwohl es ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung gibt, welches sich aus Art. 1 Abs. 1 GG (Menschenwürde) und Art. 2 Abs. 1 GG (freie Entfaltung der Persönlichkeit) ableitet. Da es hierzu jedoch keine konkreten Schutzaussagen seitens des Gesetzgebers gibt, sind speziell durch die neuen Medien ausgelotete Schlupflöcher keine Seltenheit. In vielen anderen Bereichen (z.B. Automotive, Gesundheit) sind Schutzanforderungen seitens der Anbieter zu erfüllen. Könnten nicht auch für Hard- und Software-Anbieter Mindestanforderungen seitens des Gesetzgebers formuliert werden, die den Schutz auf informationelle Selbstbestimmung gewähren? Setzt man hier auf de Schutzfunktion des Staates, ist im Sinne der Verbraucher dringender Handlungsbedarf gefordert.

Datenschutz im „echten Leben“?

Aber auch im „echten Leben“ ist es mit den Daten so eine Sache… Was ist mit unseren persönlichen Daten, wenn wir Briefe oder Pakete verschicken? Was passiert, wenn wir mit einem Flugzeug von A nach B fliegen? Werden unsere Daten auch verwurstet, wenn wir einkaufen und mit EC- oder Kreditkarte bezahlen? Interessiert sich wohl jemand dafür, was unser Auto-Navi an Daten ausspuckt, oder was meine Telefonabrechnung sagt?
Also selbst ausserhalb des Internets sind unsere Daten im Grunde nicht sicher und geraten nicht selten in die Hände von Menschen, die damit Statistiken anfertigen, Verbraucherprofile erstellen oder sonstigen Schabernack treiben.
Wer sein Smartphone in der Tasche trägt, ist im Grunde sowieso nicht mehr mündig…
Die Ortungsdienste für Maps oder die Bahnverbindungen, sind nur die sichtbare Spitze des Überwachungseisbergs. So habe ich zum Beispiel vor kurzem die App „Health“ auf meinem Mobilfunkgerät entdeckt… Ich wusste bislang nichts damit anzufangen, und dachte, die App wäre leer oder sowas. Nun habe ich festgestellt, dass mein Telefon registriert, wieviele Stockwerke ich am Tag hochgegangen bin, wieviele Schritte ich im Schnitt mache und wieviel Strecke ich am Tag zurückgelegt habe… Es steht da, weiß auf orange: 9 Stockwerke im Schnitt… Und es stimmt! Das ist mein Tagesschnitt, wenn man Wohnung und Arbeit zusammenrechnet. Sogar die dazugehörige Uhrzeit kann man überprüfen. Und all das wird aufgezeichnet während ich rein gar nichts davon mitbekomme, und obwohl ich dem nie zugestimmt habe.
Wer weiß, wo das nun wieder landet… Wahrscheinlich bekomme ich bald Werbung von Fitnessstudios in meiner Nähe oder Anzeigen eines neuen Turnschuhs. Na toll.

Ankündigung

Passend zum Thema wird am 26./27. November eine „Interdisziplinäre Konferenz des Forums Privatheit“ in der Kalkscheune stattfinden. Unter dem Motto „Die Zukunft der informationellen Selbstbestimmung“ wird darüber gesprochen, ob und in wie fern sich die Selbstbestimmung unserer persönlichen Informationen überhaupt noch umsetzen lässt. Der Umgang mit Privatheit ist im Wandel und gerät mehr und mehr zur Herausforderung für jeden Einzelnen. Informationelle Selbstbestimmung ist bislang nicht grundsätzlich gewährleistet und aufgrund von undurchsichtigen Strukturen nicht gänzlich zu bewältigen.

26. November 2015, 9:00 Uhr – 27. November, 16:30 Uhr
Kalkscheune, Johannisstraße 2, 10117 Berlin

Für weitere Informationen:
http://www.forum-privatheit.de

 

 

 

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