Die Kalkscheune als Geburtsort für eine neue IT-Sicherheit in Europa?

SASER_model_klein © Celtic-Plus

Saser – (Safe and Secure European Routing) … dieses Kürzel ist bisher nur Insidern der IT-Szene bekannt. Es handelt sich um das wohl derzeit prestigeträchtigste Projekt zur Wiedererlangung der europäischen Souveränität im Internet.

Auf der “Secure Communications for Europe” – Konferenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 24. Juni 2014 in der Kalkscheune trafen sich unter anderem Vertreter der Netzwerktechnologie-Unternehmen ADVA Optical Networking (Münchner Glasfaserspezialist), Alcatel-Lucent, Nokia, Orange (ehemals France Télécom) und Deutsche Telekom Laboratories und unterzeichneten gemeinsam ein Memorandum of Understandig für eine Netzwerktechnologie, die eine sichere Kommunikation in Europa ermöglichen soll. Sie verpflichteten sich zu einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und zu gemeinsamen Forschungsanstrengungen, um neue Technologien für ein sicheres, robustes und zuverlässiges Netz zu erhalten und so die Vormachtstellung von Router-Herstellern aus den USA (Cisco, Juniper) und aus China (Huawei, ZTE) zu brechen.

CSC_0361© Celtic-Plus (v.l.n.r.)

  • Dr. Andreas Leven (Alcatel-Lucent, Germany)
  • Dr. Christoph Glingener (CTO of ADVA Optical Networking SE)
  • Dr. Georg Schütte (State Secretary, BMBF – German ministry for education and research)
  • Alain Maloberti (Senior Vice President Network, Architecture and Design, Orange, France)
  • Dr. Hermann Rodler (NSN, Managing Director Germany Head CBT Germany & Poland)
  • Cornelia Rogall-Grothe (State Secretary, BMI – German ministry of the interior)
  • Jacques Magen (Celtic-Plus Chairman)
  • Wilhelm Dresselhaus (CEO, Alcatel-Lucent, Germany)

Ziel des Projektes SASER ist es, die energiehungrigen und unsicheren elektronischen IP-Router durch neue integrierte optoelektronische Knoten zu ersetzen. Dafür entwickeln die Projektpartner modulare Komponenten, die nicht nur auf elektronischen, sondern vor allem auf optischen Technologien basieren. Die Forscherinnen und Forscher greifen dabei auf neue Methoden zum Schlüsselaustausch und auf innovative optische Verschlüsselungsverfahren zurück.

Erste Komponenten für super sichere Routing-Verfahren, die ohne die durch die NSA-Affäre in Verruf geratenen amerikanischen Web-Giganten auskommen, wurden in einer Ausstellung in der Kalkscheune präsentiert.

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Der NSA Skandal ist noch frisch und längst nicht aufgearbeitet, da drohen dem ursprünglich mit rein europäischen Unternehmen besetzten Konsortium wichtige Teilergebnisse in die USA abzufließen, denn bei zwei der an Saser beteiligten Unternehmen haben die Amerikaner die Kontrolle übernommen:

  • der Virenschützer McAfee übernahm 2013 den finnischen Sicherheitsspezialisten Stonesoft, dieser gehört damit heute zum Imperium des US-Chipproduzenten Intel

und

  • das Berliner Start-up U2t Photonics wurde Anfang 2014 vom amerikanischen Glasfaserhersteller Finisar gekauft

…bleibt zu hoffen, dass sich diese Unternehmen an die Vereinbarungen halten und die Forschungsergebnisse nur in Europa verwerten und es den Europäern gelingt, die Schwachstellen der Telekommunikationsnetze zu beseitigen, um gegen Sabotageakte und Spionageangriffe gewappnet zu sein.

Mehr zur Kalkscheune als Austragungsort dieser Konferenz finden Sie im Artikel “Europa droht der Ausverkauf bei Spionagetechnik”, erschienen in dem Magazin WirtschaftsWoche.

P1070713 © Kalkscheune

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